Cecosesola

Der Film führt uns in die Millionenstadt Barquisimento im Westen Venezuelas. Verbeulte Autos säumen die Straßen, streunende Hunde suchen nach Fressbarem. Hunderte Menschen warten diszipliniert in langen Schlangen an einer großen Markthalle von Cecosesola. Sie warten darauf einkaufen zu können. Die Versorgungslage im Land ist katastrophal und die Situation extrem angespannt.

Momentan wird zwar die politische Machtfrage in den internationalen Medien diskutiert, weniger jedoch die dahinterstehenden materiellen Interessen, welche langsam zum Ausverkauf des Landes führen. Dazu sind die kontroversen politischen Diskurse im Grunde genommen nur unterschiedliche Begleitmusik. Hier kommen die geopolitischen und geostrategischen Aspekte mit ins Spiel: sowohl die USA als auch Russland und China wollen von diesem Ausverkauf profitieren.

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Cecosesola ist ein Netzwerk von Kooperativen. Die Mitarbeiter setzen auf Selbstorganisation, statt Rentier-Ökonomie. Sie betreiben in der Stadt zwei kleinere und drei große Wochenmärkte. Pro Wochenende werden Hunderte Tonnen Lebensmittel aus angegliederten Landwirtschaftskooperativen verkauft. In die Markthallen strömen wöchentlich 70.000 Familien um Obst, Gemüse und andere Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen. Ein Viertel der Stadtbevölkerung wird über die Märkte versorgt.

Vor 50 Jahren fing alles an: Als eine würdevolle Bestattung der Verstorbenen für Hinterbliebene unbezahlbar wurde, gründete eine Gruppe von kleinen Kooperativen einen Beerdigungsservice und den Dachverband Cecosesola. Mitglieder bezahlen regelmäßig einen geringen Betrag ein. Wenn ein Angehöriger stirbt, wird die Bestattung vom Beerdigungsservice ausgerichtet.
Um weiterreichender autonom und selbstverwaltet agieren zu können, bauten die Kooperativistas gemeinsam mit Landwirtschaftskooperativen Märkte auf. Inzwischen versorgen sie ein Viertel der Stadtbevölkerung mit Nahrungsmitteln. Auf Registrierkassen wird bis heute verzichtet, die Mitglieder setzen auf Vertrauen. Für ihre Arbeit bekommen die Mitarbeiter einen Einheitslohn, der wöchentlich an die Mitarbeitenden ausgezahlt wird und deutlich über dem staatlichen Mindestlohn liegt.

Heute zählt Cecosesola 20.000 Mitglieder und bietet, neben dem Beerdigungsservice, den größten Gemüsemärkten der Stadt und Landwirtschaftsbetrieben, ein Gesundheitszentrum mit einer erst kürzlich eröffneten Geburtsstation an. Die Beschäftigten arbeiten ohne Chefs, entscheiden im Konsens, bewältigen die Aufgaben im Rotationsverfahren. Große und kleine The- men werden gemeinsam besprochen. In unzähligen Versammlungen entscheiden die 20.000 Mitglieder basisdemokratisch über alle wichtigen Belange. Das scheint auf den ersten Blick unmöglich. Doch wurden im Laufe der Jahrzehnte Kriterien für Entscheidungsfindungen herausarbeitet. Die lange Gesprächserfahrung ermöglicht über die vielen vernetzten Versammlungen zügig zu Konsensentscheidungen zu kommen.

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Die Kooperativistas wissen: „Wir stärken den Dialog und den sozialen Rückhalt, untereinander und über Cecosesola hinaus. Das ist viel wichtiger als die ökonomischen Fragen. Erst in respektvollen Beziehungen wächst Vertrauen und aus Vertrauen entsteht das, was wir „kollektive Energie“ nennen.

Link zu Artikel über Cecoselola https://oya-online.de/article/read/997-kollektive_freiheit.html