Lebensraum

Grund und Boden

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Der Kampf um Grund und Boden und der Zugang zu anderen lebensnotwendigen Ressourcen stehen seit jeher im Zentrum gesellschaftlicher Konfliktlinien. Wer Zugang zu Grund und Boden hat, steuert die Produktion und hat damit Kontrolle über die gesellschaftliche Ordnung.

Dennoch nehmen wir es als gegeben hin, dass nicht nur der Boden eingehegt, d.h. zum wirtschaftlichen Gewinnstreben einzelner privatisiert wird, sondern auch immaterielle Ressourcen, wie Wissen und zunehmend auch soziale Beziehungen. Zwar ermöglicht die Digitalisierung neue Formen des Teilens allerdings stellt sich auch hier das Problem, dass Gemeingüter in der Sharing Economy sofort wieder kapitalisiert werden.

Der Film hinterfragt das Verständnis von Privateigentum und stellt neue Formen der Gemeinschaftlichkeit und des Teilens vor. Die Schaffung und Bewirtschaftung von Gemeingütern im städtischen Umwelt wird zu einem immer dringlicheren Problem. Das Recht auf Wohnen und das Recht auf Stadt müssen eingefordert und erkämpft werden. Bisweilen geschieht dies durch Besetzungen und vorübergehende Nutzungen. allerdings müssen diese gewonnenen Räume verteidigt und der Zugang dauerhaft gesichert werden. Welche Arten von Eigentumsstrukturen schaffen die Voraussetzung dafür, dass Ressourcen für Gemeinschaften zugänglich sind. Und wie kann der Zugang geregelt werden, ohne dass neue Ausgrenzung entsteht?

besetztes Haus in Berlin Kreuzberg
Lebensraum

No Pool, No Minibar – City Plaza Hotel

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Im Herzen von Athen, das beste Hotel der Welt – no pool , no minibar © Lena Wöhler
Mehr als 200 Kinder aus unterschiedlichen Herkunftsländern haben im City Plaza einen sicheren Ort gefunden. © Lena Wöhler

Trotz der harten Sparmaßnahmen der EU, der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit und der angedrohten Räumung bietet das CITY PLAZA HOTEL in Athen 400 Geflüchteten die Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens.
Bewohner*innen und Freiwillige aus vielen Ländern kommen in Solidarität und zivilem Ungehorsam zusammen. Gemeinsam erledigen sie die täglich anfallenden Aufgaben, wie Putzen, Kochen und Kinderbetreuung – die Aufrechterhaltung des Alltagslebens. Ohne auch nur einen Cent staatlicher Finanzierung erproben die Bewohnerinnen hier die Vision einer Zukunft ohne menschenunwürdige Flüchtlings- und Auffanglager.

Hintergrund: Durch die Sparpolitik in der Folge der Finanzkrise von 2008/9 wurde der griechische Sozialstaat zunehmend abgebaut und die Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge vorangetrieben. Menschen verloren ihre Arbeit, Wohnung und soziale Sicherheit. Vor diesem Hintergrund schien das Land besonders schlecht gerüstet für den Zustrom Hunderttausender geflüchteter, die seit 2015 nach Griechenland kamen. Als dann mit dem EU-Türkei-Abkommen 2016 die Balkanroute geschlossen wurde, saßen mehr als 60.000 Menschen in Griechenland fest. Aktivist*innen der Flüchtlingshilfe besetzten ein leer stehendes Hotel im Herzen von Athen. Sie machten aus dem Gebäude ein starkes Beispiel der Solidarität.

In den 126 Zimmern des Hotels sind rund 100 Familien untergebracht und Helfer*innen. Bei wöchentlichen Versammlungen sprechen Geflüchtete und Freiwilligen gemeinsam über Probleme und treffen demokratische Entscheidungen. Das Leben im CITY PLAZA beruht auf dem Konzept der Selbstverwaltung. Jeder, der dazu in der Lage ist, übernimmt für mindestens eine Schichtpro Woche notwendige Aufgaben. Durch die aktive Beteiligung am gemeinschaftlichen Leben sind die Geflüchteten nicht längen passive Unterstützungsempfänger*innen, sondern werden selbst zu Gestalter*innen ihres Lebens. Als direktes Ergebnis gibt es im Hotel eine Cafeteria, ein Gesundheitszentrum, einen Raum für Frauen, einen Spielplatz, eine Bibliothek, Kulturprogramme und Sprachkurse.